Gründer Landesverband Kultur- und Kreativwirtschaft Bayern

Allgemein

4. Januar 2019

Bayerische Kreativwirtschaft will Landesverband gründen

Regensburg, 28.11.2018
Formkraft Allgäu beim Vorab-Gründungstreffen des Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft

Um Interessen besser zu bündeln und der Zersplitterung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern entgegenzuwirken, melden sich die bayerischen Akteurs-Netzwerke landesweit zu Wort. Auf einer Info-Veranstaltung in Regensburg werden erste Weichenstellungen zur Gründung eines Landesverbands gesetzt. Was mit einem flammenden Aufruf an die Kreativen Bayerns begann, wurde im Rahmen der ersten Info-Veranstaltung Ende November in Regensburg zu einem gemeinsamen Bekenntnis: Der Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern (LVKK) soll 2019 gegründet werden. Darauf haben sich Akteure und bereits bestehende Vereine, Verbände und Netzwerke aus ganz Bayern verständigt. Die Ziele des LVKK sind in Grundzügen klar: Es geht um Lobbyarbeit und Vernetzung, um mehr Sichtbarkeit der Branche, um Förderprogramme und Projekte – und um möglichen Rechtschutz und Versicherungen unter dem Dach des Verbands.

Mehrwert und Notwendigkeit eines Verbandes auf Landesebene liegen auf der Hand: Durch Umstrukturierungen in der Landesregierung hat die Kreativwirtschaft ihren eigenen Ansprechpartner verloren. Die Teilbranchen wurden auf unterschiedliche Referate verteilt und unterstehen nun nur noch teilweise dem Wirtschaftsministerium. Dadurch verliert die Branche an Zusammenhalt und Gehör – was die ohnehin vorhandene Heterogenität der einzelnen Mitglieder zusätzlich verschärft. Ein Verband würde hier gezielt gegensteuern. Ein wichtiger Punkt ist auch die Generierung von Fördergeldern: Ein Verband könnte hier wirkungsvoll agieren und auf Landesebene Mittel für die Branche abrufen. Denkbar sind Projekte zur Förderung des Stadt-Land-Dialogs, zu übergreifenden Fortbildungsinitiativen oder landesweit relevanten Themen. „Wir sind ein wichtiger Motor in Bayerns Wirtschaft, aber bisher sind uns größere Landesmittel verwehrt“, fasst Carola Kupfer vom Regensburger Forum Kreativwirtschaft die Ausgangssituation zusammen. Damit man in Zukunft mit einer Stimme sprechen und konkrete Forderungen stellen könne, brauche es folglich einen Landesverband für Kultur- und Kreativwirtschaft.

„Vor dem Hintergrund, dass der Beitrag der Kreativwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt noch vor der chemischen Industrie und der Energieversorgung liegt, ist diese stiefmütterliche Behandlung völlig unverständlich“, ärgert sich auch Sigrid Diewald vom freien Akteurs-Netzwerk Ingolstadt. „Aber wir haben ein gutes Vorbild: das sächsische Modell. Es agiert aus der Branche für die Branche und gestaltet dabei erfolgreich Wirtschaftsförderung auf Landesebene.“ Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits seit Sommer in der Oberpfalz, in Oberbayern und Oberfranken unternommen: Ein Positionspapier hat zumindest im Wirtschaftsministerium Gehör gefunden und zu ersten Gesprächen geführt. Dort sieht man der Verbandsgründung offen und positiv entgegen. Außerdem gibt es eine Kooperationsvereinbarung, die von Kupfer, Sabine Gollner (KüKo e.V.) und Sigrid Diewald (Freies Akteursnetzwerk Ingolstadt) unterschrieben wurde. Hier werden sich in den nächsten Monaten weitere Vereine und Netzwerke anschließen.

Auch Formkraft Allgäu unterstützt die Gründung des LVKK. Beim Info-Treffen in Regensburg wurde schnell klar, dass die Interessen von Formkraft Allgäu durch einen Landesverband gut vertreten wären. Carmen Fritz hat sich daher spontan zur Mitarbeit im Gründungsteam entschlossen – so wie zahlreiche andere Vertreter aus Bayern. Sie kamen abschließend auf der Bühne zu einem Gruppenfoto zusammen und werden sich schon im Januar in München zu einer Arbeitssitzung treffen. Am 20. Februar lädt das Altstadttheater in Ingolstadt zur 2. Info-Veranstaltung LVKK ein. Dort sollen erste Ergebnisse des Gründungsteams präsentiert werden. Außerdem wird damit gerechnet, dass weitere Vereine und Akteursnetzwerke dazu stoßen, die dabei sein oder sogar mitwirken möchten. Gemeinsam mit Kreativen zwischen Aschaffenburg, Hof, Passau, Garmisch, Lindau und Neu-Ulm würde die gesamte Branche in Bayern gestärkt werden.

Immerhin: Dass Kreativwirtschaft irgendwie cool ist und einem Standort oder einer Region einen zusätzlichen Glanz verleiht, ist mittlerweile angekommen. Nun geht es darum, konkrete, sinnvolle und nachhaltige Förderung und Unterstützung zu bieten – und hier ist der LVKK eine große Chance für die Branche.  

Pressemitteilung LVKK vom 20.12.2018

Foto: Iva Nikolova
Die Initiatoren des Positionspapiers und der überregionalen Kooperation für die bayerische Kreativwirtschaft: (v.l.) Sabine Gollner (Kreativunternehmer-Netzwerk KÜKO e.V. / Region Oberfranken), Sigrid Diewald (Freies Akteursnetzwerk Ingolstadt) sowie aus Regensburg Carola Kupfer (Forum Kreativwirtschaft e.V.) und Florian Rottke (klein·laut GmbH).